Am 2.11.2025 stattete ich der Lüsener Villerspitze als Wanderung einen Besuch ab. Von da an stand dieser Geselle in meinem Wunschbuch als Schitour. Einige hundert Meter vor dem großen Parkplatz in Lüsens brach ich zeitig mit dem ersten Tageslicht auf. Es gab hier schon keine ganz klare „Masterspur“, immer wieder war zu überlegen, welcher Spur man besser folgen sollte. Steil, anfangs leider recht schneearm, mühte ich mich die ersten 250 Höhenmeter mit unzähligen Spitzkehren nach oben.

Ab einer markanten Stelle, wo es etwas gutmütiger und mehr im Wald dahin ging, konnte man von einer Schitour reden, wo das Material nicht mehr leiden musste. Einen „Fast Vergeher“ (ich folgte dem Pfad von Vorgehern, die zu früh nach rechts wollten, drehte aber umgehend wieder um) konnte ich gerade noch korrigieren.

Schließlich kam die lang ersehnte Querung ins Schönlüsenstal. Es war wie so oft ein Glücksgefühl der besonderen Art, wenn man erkennt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Immerhin geht man viele Touren, wenn es das erste Mal ist, immer nur aufgrund der Recherche, die man vorher betrieb.
Den Talboden aufwärts konnte man getrost als ideales Schigelände bezeichnen. Schnee war augenscheinlich genug, nachteilig wirkten sich nur die üblichen Fallwinde im Schatten aus, was das Wohlempfinden leider etwas einschränkte. Irgendwann – gefühlt später als im November, als ich zu Fuß zugegen war, kam ich dann doch in die Sonne und nutzte die Wärme für eine Bananenpause.

Der Weiterweg bis kurz unters Hochgraffljoch gestaltete sich angenehm. Was mich wunderte, die angelegte Spur führte dann geradewegs in das Kar nordwestlich. Ich konnte nicht glauben, dass es von dort weiterging und legte eine neue Spur entlang des Sommerwegs an. Leider war es in Summe nicht viel besser, als im November. Die steilen Aufschwünge und Rücken waren offensichtlich stark dem Wind ausgesetzt. Im Mittelteil zog ich die Latten gar aus, weil der Schnee komplett fehlte.

das letzte Bild zeigt in der Bildmitte die Aufstiegsspur ins Kar, von dem aus ein steiler Hang Richtung Gipfel führt. die Begeher hatten auch dort keine Freude mit dem eklatanten Schneemangel und waren dabei, die Schier zu deponieren und zu Fuß weiter zu marschieren.

Das Material litt ob der steinigen Passagen :-(. Nach dem zweiten Steilstück gings aber dann doch wieder mit Schi weiter, exakt bis zum „Gendarm“ kurz unter dem Gipfelaufschwung. Gleich hinter der felsigen Engstelle zog der Nordhang herauf, der gut zerfahren war. Für den Gipfelzustieg nutzte ich eine Stapfspur in der Aufstiegsspur, der Schnee war fest und es knirschte unter den Füßen.

Am Gipfel entschied ich dann, dass ich NICHT die Aufstiegsspur abfahren werde, sondern mich ins sonnige Fotschertal für die Abfahrt begeben werde. Mit dem Nachteil, dass ich oberhalb von Sellrain, bei der Eisbrücke „rauskommen werde“, mein Auto aber in Lüsens stand. Dies wollte ich MarTina mitteilen, aber nicht mal ein SMS ging raus.

Bei der Abfahrt vom Gipfel lugte ich in den Bereich, wo von erwähnter Nordwestscharte die Spur heraufführte und konnte eine Gruppe entdecken, die gerade aufstieg. Aber auch diese Route hatte weitaus zu wenig Schnee und die Gruppe teilte das gleiche Schicksal wie ich bei meinem Weg, nämlich, dass im Steilstück ZU WENIG SCHNEE für einen Aufstieg mit Schi vorhanden war.

Also fuhr ich bis zum ersten Boden ab und packte die Schi auf den Rucksack, um die steinige Passagen zu Fuß zu bewältigen. Widerwärtigerweise gab es immer wieder Stellen, wo ich, nahe den abgeblasenen Felsen, hüfttief im grundlosen Schnee versank. Vom zweiten Bödele bis in den Talbboden waren dann aber 5 Schwünge im angenehmen Pulverschnee die Belohnung für all die Mühe. Obgleich bis zum Hochgraffljoch nur vielleicht 50 Höhenmeter zu erklimmen waren, fellte ich noch einmal auf. Oben am Joch konnte ich mir die Bestätigung holen, dass die Fahrt ins sonnige und viel sanftere Fotschertal auf jeden Fall die bessere Wahl war, als ins schattige Schönlüsenstal zurückzukehren, mit einer – sogar für mich – abschreckenden Abfahrt (Schatten, steinig, unangenehme Querung, Absturzgefahr bei falscher Routenwahl, Waldgelände, mögliche Gehpassagen wegen Schneemangel).

Im oberen Bereich durfte ich sogar einige Schwünge im Pulver ziehen. Die weitere Fahrt in den Talboden war dann nur mehr Genuss pur. Teils fast firnig, dann wieder pulvrig, staubte und zischte ich Richtung Potsdamer Hütte hinaus. Einige hundert Meter musste ich anschieben, bevor es sich auf der Rodelbahn und so gut es ging daneben, weiter Richtung „Bergheim“ fortsetzte.

MarTina hatte ich immer noch nicht erreicht. Die Fahrt auf der Rodelbahn gestaltete sich erstaunlich komfortabel. Was ich NIE UND NIMMER erwartete, war die Tatsache, dass ich ohne die Schi aus zu ziehen bis zur Eisbrücke abfahren konnte (!!).

Dort angekommen gab es endlich eine Verbindung zur Zentrale und MarTina holte mich so schnell sie konte ab und fuhr mit mir nach Lüsens, um mein Auto zu übernehmen. Am Weg dort hin wurde klar, welche Distanz ich zurücklegte. Die ganze Tour ist sagenhafte 23 km lang (davon etwa 17 allein für die Abfahrt).

Fazit: großartiges alpines Erlebnis, mit sagenhafter und langer Abfahrt. Leider für den Gipfelbereich viel zu wenig Schnee. Trotz allem 4,5 von 5 möglichen Sternen.

Hilli, 8.3.2025

Von Christian

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