Das Kühtai bot den besonderen Luxus, dass die Verhältnisse (Schneemengen) bequem auf den diversen Webcams zu erfahren waren. Gut, auch ohne diese Hilfe wäre mir klar gewesen, dass eine Abfahrt (noch) bis zum Auto möglich war. Später im Saisonverlauf ist es aber hilfreich, sich über die Kameras informieren zu können. Die klare Nacht bot perfekte Verhältnisse und die Wetterinformationen (unter Tags Temperaturen in 2000 mtr Seehöhe UM +5 Grad) ließen für MICH den Schluss zu, dass KEIN sehr früher Aufbruch notwendig war. Die Entscheidung war richtig, ich brach gegen 8:20 Uhr beim Parkplatz des Alpenrosenlifts auf und wanderte auf der Schipiste Richtung Graf Ferdinand Haus.



Dort zog ich die Latten aus (wäre zwar nicht notwendig gewesen) und ging zu Fuß entlang der geräumten Straße bis zum Schranken, der eine (später im Jahr mögliche) Fahrt Richtung Staumauer versperrte. Von dort führte eine angenehme Spur Richtung Dammkrone.



Die, wie üblich (weil ja ein Dreitausender) in der Überzahl gewesenen Sulzkogelbesteiger waren allesamt vermutlich schon 1 Stunde früher aufgebrochen. Die letzten von Ihnen konnte ich gerade noch im Aufstieg erkennen, bevor sie hinter der Kuppe verschwanden, die in das Hochtal unter dem Gipfel führte.



Ich aber bog nach links ein, eine Aufstiegsspur gab es nur ziemlich verwittert – brauchte ich aber auch nicht, mit den angelegten Harscheisen war kein Track notwendig. Mit weiten Schlägen bewältigte ich den ersten breiten Hang, bevor ich den herrlichen „Tunnel“ beschritt, der zu den weiteren kupierten Flanken leitete.



Bewusst langsam gewann ich gut an Höhe, bis zur unangenehmen Querung zum Bereich unterhalb der Finstertaler Scharte. Dort war ich froh, die Harscheisen angelegt zu haben. Unter einer 5-10 cm hohen Neuschneeauflage war harter, rutschiger Untergrund. (Berg-)selig, „drüben“ gewesen zu sein, waren die letzten Meter auf die Scharte wieder ein Hochgenuss.



Oben fellte ich ab und querte hinüber, immer darauf achtend, nicht zu viel Höhe zu verlieren, in das Tal, das von der Schweinfurter Hütte heraufzieht in Richtung meines Zieles. Nach dem erneuten Aufziehen der Felle meisterte ich den ersten steilen Hang, bevor es in ein flaches Becken unter dem Gipfel ging. Zwei weitere Steilstufen erschienen nicht anstrengend, die Ruhe und Einsamkeit waren so beeindruckend, dass ich auf die Anstrengung vergaß.



Nach kurzem Gipfelglück machte ich mich an die Rückfahrt. Das Gefühl, „alles für mich zu haben“ war allgegenwärtig und schenkte mir eine tiefe Zufriedenheit, gepaart mit der Dankbarkeit, dies erleben zu dürfen. In unberührten Hängen schwang ich hinab in den Bereich, wo es erneut galt, wenig Höhe zu verlieren, die man sonst ja wieder zusätzlich aufsteigen muss (Höhenmeterverlustregel ;-)).



Gemächlich bereitete ich die Schi, nun zum dritten Mal, für einen Aufstieg vor. Geschätzte 175 Höhenmeter waren es, bis der Wegweiser auf der Scharte inspiziert werden konnte. Zwischenzeitlich waren weitere 4 Personen am Finstertaler Schartenkogel und entjungferten die bis dahin unversehrten Abfahrtshänge. Trotzdem blieb für mich noch genug „reines“ Terrain übrig. Das begeisterte mich bis zum Stausee hinunter.



Im letzten Bereich kam mir ein so lauter Juchzer aus, den hörte man sicher kilometerweit. Auch dann versuchte ich wieder die Höhenmeterverlustregel, um möglichst weit über dem See zu bleiben. Der Erfolg war nicht überwältigend, aber einige Meter konnte ich doch sparen. Der Schnee war sogar noch SO kompakt, dass ich entschied, nicht zum vierten Mal die haarigen Klebedinger an zulegen. Statt dessen stapfte ich hinauf zum Sommerweg, der zur Dammkrone führt. Bald meinte ich, auch mit Schiern und „anschupfen“ sollte es klappen, was mehr oder weniger stimmte. Als ich endlich „drüben“ war, wusste ich dass das Filetstück der Tour noch bevor stand.



Zuerst querte ich in die (noch hartgriffige) Staumauer und raspelte in großzügigen Schwüngen hinab. Dann gings in bester Querfahrt hinaus zum Graf Ferdinand Haus. Und von diesem, auf hervorragenden – noch bestens intakten Pisten – bis direkt zum Parkplatz.
Dieses Tourenerlebnis wird lange im Gedächtnis bleiben.
Hilli, 30.4.2026

Der scheidende Winter in dieser Höhe hat schon einen ganz besonderen Reiz, wie wir wissen, bravo Hilli!